Dienstag, 26. Juli 2016

Angekommen in Hann. Münden

Bei etwa 30 Grad lande ich gegen 13:30 in Hann. Münden. Der Weg vom Bahnhof zu meinem Hotel führt mich an einem kleinen Park - ein Teil der alten Wallanlage - und herrschaftlichen Villen aus dem 19. Jahrhundert vorbei. Alles strahlt Ruhe und Frieden aus. Ein Mann lackiert einen Gußeisenzaun - und wünscht mir - wohl angesichts meines Koffers eine schöne Reise. Diese auffallende Freundlichkeit soll mir auch später noch oft in Münden begegnen.
Nach kurzem Weg erreiche ich die Altstadt, die für ihre 700 Fachwerkbauten bekannt ist. Mein Hotel soll das älteste erhaltene Haus ( Ständerbau um 1400) sein.

Radfahrer prägen das Bild Hann. Mündens


Am Nachmittag erkunde ich die Innenstadt und stelle schon mal fest, wo der Weser- Radweg beginnt. Besonders beeindruckt mich die unkomplizierte Möglichkeit mit Menschen schnell näher ins Gespräch zu kommen. So erfahre ich von einer Geschäftsinhaberin mehr über ihre Lebenseinstellung und die Gründe für ihren Umzug von München hierher.

Die Händlerin (rechts) ist erst vor einem Jahr aus München hergezogen.
"Niemand kann erwarten, dass das Leben noch so ist, wie vor 20 Jahren" - so ihr Motto.
Geschäfte haben es hier nicht leicht. Wie ich erfahre, komme zwar viele Bustouristen, die aber ihr Essen mitbringen würden und nach einem Rundgang die Stadt schnell wieder verlassen, ohne Geld dazu lassen. Es ist aber auch schwierig zu sagen, welche Geschäfte heutzutage noch in den kleinen Innenstadtläden gut laufen könnten. Diese vielen Trödel- und Krimskramsgeschäfte sind alle nicht besonders originell. Mir gefällt jedoch ein gut sortiertes Wäschegeschäft mit einer Auswahl, die auch größere Städte nicht so ohne weiteres aufzuweisen haben.

Hier probiere ich Nachthemden an - die Auswahl ist durchaus beeindruckend


 Eine alte Dame erzählt von der Arbeit ihres Sohnes als Flüchtlingslehrer und erläutert mir zusätzlich die Probleme der Stadt mit einem Immobilienspekulanten, der sieben Fachwerkhäuser besitzt, aber alle leerstehen und verfallen lässt.

Denkmalsaktivisten kämpfen gegen Immobilienspekulationen

Immer wieder frage ich mich bei meinen Reisen, ob es lohnt, sich mehr Zeit für Orte zu nehmen, auf die andere Reisende nur schnell einen Blick werfen. Aber auch hier zeigt es sich wieder - angesichts der erwähnte Gespräche - , dass man nur so einen echten Kontakt zu Städten und Menschen herstellen kann, wenn man mit Muße und ganz zweckfrei durch den Ort bummelt. Dazu die Augen aufmachen: Was ist hier das Besondere?
Die Antwort findet sich nicht (nur) in den historischen Bauten, sondern in der ganz besonderen Ausstrahlung eines Städtchens. Hier in Hann. Münden fällt der Anteil der Einwanderer auf: ich sehe zwei türkische und einen orientalischen Friseur. Die Moschee ist direkt an der Werrabrücke und neben mir - im indisch - italienischen Restaurant sitzt am Abend eine dreiköpfige Familie, bei der die Frau ein Kopftuch trägt. Ich beobachte mehrfach, Begegnungen und Gespräche von Einwanderern und Alt - Einheimischen. Dieser Eindruck wird mir auch am letzten Abend bestätigt, als eine Frau in mittleren Jahren von sich aus auf das gute Zusammenleben zusprechen kommt.

Ein türkischer Friseur in zentraler Lage
Alltagsbegegnungen - bei denselben Händlern - in denselben Restaurants

Nach dem Abendessen spaziere ich noch einmal zur Werrabrücke (13. Jahrh.) und werfe einen Blick auf das Welfenschloß.

Das Welfenschloss aus dem 16. Jahrhundert - hier wurde 70 Jahre lang residiert.
Der Reichtum der Stadt kam aber vom Handel.

Die Werrabrücke aus dem 13. Jahrhundert - heute nicht mehr überdacht.
In zwei Tagen werde ich hier nach Beverungen starten.

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