Samstag, 30. Juli 2016

Von Rinteln nach Minden (4. Etappe)

Beim Frühstück komme ich mit einem nett aussehenden Paar aus Süddeutschland ins Gespräch..Sie fahren etwa 100 km pro Tag und sind von Hamburg über Cuxhaven / Bremen auf dem Weg nach Hann. Münden. Ich bin schwer beeindruckt! Viel jünger als ich können sie gar nicht sein. Oder liegt es auch an ihren Rändern mit 14-Gang Schaltung?

Stärkung für die letzte Etappe

Heute ist es wieder kühler,so etwa 16 Grad. Nach dem Frühstück sehe ich mir Rinteln noch mal näher an und erweitere so meine Eindrücke. Schon gestern gefiel mir Rinteln sehr, sehr gut. Es wirkt auf mich interessanter und ursprünglicher als Hameln. Als ich mich mit einer jüngeren Frau über ihre Erfahrungen in Rinteln unterhalte, bestätigt und erklärt sich dieser Eindruck. Rinteln ist nicht so eindeutig vom Tourismus geprägt. Hier gibt es auch noch Arbeitsplätze in Industrie und bei Zeitungen. Durch die nahe A2 wohnen auch Hannoveraner hier. Es sei schwer, eine Dreizimmerwohnung zu finden. Auffällig sind die vielen Lokale, in denen es  am Samstagabend die Rintelner offenbar ihre Freunde treffen.

Samstagabend auf dem Rintelner Marktplatz


Ein alter Adelshof

Der alte Bischofssitz - Detail - heute eine Privatklinik

Etwa 30000 Menschen leben hier. Lange Zeit war Rinteln Bischofsstadt. Im 17. Jahrhundert hatte Rinteln eine Universität. Große Ausstrahlung besitzen auch die alten Adelshöfe in der Ritterstraße. Hier begegnet mir auch wieder der Name von Münchhausen - wie schon in Bodenwerder und Schloss Bevern.

Eindruck vom Weg - das Gebirge rückt in die Ferne


Meine Etappe heute ist nur kurz. Zwar könnte ich eine Abstecher nach Bad Oehnhausen ergänzen, aber an einem Sonntag scheint mir das nicht so vielversprechend. Also fahre ich den Weserbogen ab zur Porta Westfalica.
Hier durchbricht die Weser Wiehen- und Wesergebirge. Ursprünglich verlief der Weserlauf anders. Der Name "Porta Westfalica" ist auch nicht so alt, wie es den Anschein hat. Er wurde erst im 19. Jahrhundert gebildet und statt einer richtigen Stadt finden sich hier verschiedene Ortsteile - wohl ehemalige Dörfer.
Vom "Weserdurchbruch" bin ich überrascht - ich habe mir etwas Dramatisches - Schluchtartiges vorgestellt (wie das Bodetal). Aber das Weserbecken ist riesig. Als ich die Autobrücke überquere, wirkt das das 88m hohe Kaiser - Wilhelm - Denkmal des Wiehengebirges eher fern.

Porta Westfalica - das Wiehengebirge (Wittekindsberg) mit Kaiser - Denkmal

Hier endet das Weser/Wiehengebirge. Kurz darauf beginnt die norddeutsche Tiefebene. Der Charakter des Weser - Radweges ändert sich damit vollkommen.

Die norddeutsche Tiefebene beginnt


Jetzt ist es nicht mehr weit bis Minden, wo diesmal meine Tour endet. Gerne hätte ich den Weser - Radweg noch bis Bremen verfolgt - vielleicht ein anderes Mal!
Fazit: Diese kleine Radtour mit den vielfältigen Eindrücken und den vielen Stadterkundungen  hat mir sehr gut gefallen. Hier gibt es mehr zu besichtigen und zu erkunden, als auf den Tagestouren abzufahren ist - es sei denn, man fährt noch kürzere Strecken und räumt mehr Zeit für Besichtungen ein. Für mich liegt der Reiz aber gerade in einer ausgewogenen Mischung aus Bewegung und Kultur.

Von Bodenwerder nach Rinteln (3. Etappe)

Über Hameln geht es heute nach Rinteln. Ich entscheide mich gegen den 15 km Umweg über Schloss Hämelschenburg, denn die erste Führung beginnt dort erst um 11:00 und ich würde zu einem zu frühen Zeitpunkt meine eigentliche Route unterbrechen, so dass am Nachmittag noch das Hauptwegstück vor mir läge.  Eine gute Entscheidung!

Eines der Prachtexemplare Hamelscher Architektur

Heute früh ist es gleich etwas kühler und es gelingt mir nicht so recht, warm zu werden. Bei ständigem Gegenwind komme ich etwas mühlseelig voran.
Gegen Mittag bin ich in Hameln. In der Innenstadt werde ich von Einheimischen wegen meines Rades unfreundlich angemacht. In der Fußgängerzone wird es gleich darauf brechend voll: Es ist Samstag Nachmittag und außer den vielen Einkäufern aus Hameln und Umgebung stoße ich auf viele Touristen, wie an der Fotoausrüstung oder der englischen bzw. italienischen Sprache erkennbar. Hameln ist auch Teil der deutschen Märchenstraße.
Ich genieße eine Unterbrechung in einem Cafe'. Während die Fußgänger an mir vorbeifluten, unterhalte ich mich mit einem Ehepaar am Nebentisch, die vor ein paar Jahren von Hamburg nach Bad Oehnhausen gezogen sind und heute in Hameln einen Einkaufsbummel machen.

Endlich eine Kaffeepause - in Hamelns Fußgängerzone

Nach dem Kaffee geht es mir gleich wieder etwas besser. Es ist sonnig - warm, aber da für die nächsten Tage kühlere Temperaturen prognostiziert sind, frage ich mich zu einem Outdoor - Geschäft durch, wo ich ein enganliegendes Langarmshirt mit Zipper erwerbe. Unterwegs betrachte ich die Weserrenaissance - Fassaden - bis jetzt die prächtigsten auf meiner Radtour.

Trotzdem bin ich froh, als ich Hameln um 13:00 Uhr wieder verlasse - mit dem Rad ist es doch schwer, durch die überlaufene Fußgängerzone zu kommen.
Nun liegen noch 29 - 30 km vor mir, wiederum bei Gegenwind. Ich strample und strample, komme aber nur langsam voran und werde heute oft überholt. Allerdings sehe ich auch immer mehr E - Bikes, die auf dieser Strecke offenbar populär sind. Doch kann es nicht nur daran liegen, dass ich mich heute vergleichsweise wenig kraftvoll fühle.

Infotafeln als Hingucker

Unterwegs stoße ich immer wieder auf Info - Tafeln zur Weser. So erfahre ich interessante Details über Flussterrassen, Weser - Kiesteiche und das ursprüngliche Weserbecken.

... immer wieder Gierseilfähren - für 1 Euro kann man die Weserseite wechseln

Jetzt hab' ich meine Tagesetappe bald geschafft!

Gegen 16 Uhr erreiche ich Rinteln. Jetzt erstmal duschen und kurz die Beine hoch legen, bis ich dann doch noch mal durch die Stadt bummele und in dem empfohlenen italienischen Restaurant zu Abend esse.
Meine Eindrücke zu Rinteln werde ich im nächsten Blogbeitrag verarbeiten.

Erster Blick auf Rinteln


Ein abendlicher Blick auf das frühere Rathaus in Rinteln

Donnerstag, 28. Juli 2016

Von Beverungen nach Bodenwerder (2. Etappe)

Heute will ich mit der Fähre übersetzen und dann zunächst nach Höxter. 2-3 km weiter liegt Kloster Corvey. Weiter geht es nach Holzminden. Nach einem Abstecher nach Schloss Bevern ist Bodenwerder mein Tagesziel. (Etwa 70 km).

Ich starte bei leichtem Nieselregen. Erst geht es mit der Fähre auf die andere Weserseite - der nette Fährmann hilft mir noch, das Rad zu verladen und die Taschen zu befestigen. Bis Höxter (21 km) bleibt es eher diesig verhangen. Mir gefällt der Blick in die regenfeuchte Landschaft und die tropfentragenden Getreidefelder. Ich bin stolz auf mich, so gut voranzukommen und dem Wetter zu trotzen. In Höxter blicke ich über die Weserbrücke zurück und betrachte die dunkelblauen Wolken.
Gut gelaunt in den Tag ...


Beim Übersetzen mit der Fähre

So präsentiert sich der Weserradweg beim Tagesstart


Gegen 10:00 Uhr erreiche ich Höxter. Kurz darauf gelange ich zum Kloster Corvey, wo ich um 11:00 Uhr an einer Führung teilnehme. Dieser Ort ist seit einigen Jahren Weltkulturerbestätte - aufgrund des "karolingischen Westwerks" (erbaut 885). Der Eingangsbereich mit den korinthischen Säulenkapiteln und den Malereiresten mit antiken Motiven berührt mich. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Kaiser bis zu Otto IV. hier Hof hielten ... Für mich eine Begegnung mit den Anfängen der Geschichte Deutschlands, ja mit der Zeit davor. Von hier startete der Hl. Ansgar, um in Bremen sein Bistum bzw. die Stadt Hamburg (Hammaburg) zu gründen.

Korinthisches Säulenkapitel

Im Westwerk


Das Karolingische Westwerk
Außerdem gibt es noch eine bedeutende Privatbibliothek, an der Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar angestellt war, zu besichtigen und einige Privaträume. Das alte Kloster wurde im 13. Jahrhundert zerstört. Heute befindet sich hier ein Barockbau, der vom Fürsten von Ratibor bewohnt wird.

Mit 70000 Bänden eine der größten Privatbibliotheken - heute auf Mikrochip zugänglich
Um 12: 45 geht es weiter. Bis Holzminden (kurze Rast an der Weserpromenade) auf dem Weserradweg, dann  entscheide ich mich, doch den Weg über Schloss Bevern zu machen, denn dort lockt mich die "Erlebniswelt Weserrenaissance". Letztere erweist sich jedoch als Enttäuschung. Die Aussteller haben Probleme mit dem hausinternen WLAN, so dass die Präsentationen auf den Tabletts nicht laufen. Allerdings habe ich inzwischen auch Zweifel, ob die angebotene Ausstellung wirklich meinen Erwartungen entspricht - ich hoffe auf historisch - architektonische Hintergründe, aber die Ausstellung orientiert sich wohl mehr an Unterhaltungsgesichtspunkten. Bei allem, was sich "Erlebniswelt" nennt, muss wohl eher misstrauisch sein.
Das Schloss selbst bleibt aber sehenswert - genauso, wie der Radweg hierher, der auf etwas unebenen Landschotterpfaden durch Getreidefelder verläuft.

Schloss Bevern - Innenhof - noch nicht restauriert

Detail der restaurierten Außenfront (Torbogen)

... und noch mehr weserrenaissnace typische Details


Gegen 15:30 fahre ich weiter - gerate noch in einen Wolkenbruch, den ich zusammen mit anderen Radfahrer (ein Mann aus der Umgebung, der Details über das leerstehende Gasthaus, bei dem wir uns unterstellen, weiß und ein aufgeschlossenes holländisches Ehepaar, das auf einem Campingplatz in der Nähe seinen Urlaub verlebt) verbringe.

Wegimpression 

Nach dem Wolkenbruch reißt die Sonne auf und ich erreiche um 17 Uhr Bodenwerder - jetzt erst mal duschen!
Am Abend suche ich  in der kleinen Altstadt von Bodenwerder ein griechisches Restaurant auf. In meinem Hotel sieht die Karte nämlich so aus, wie schon im Hotel am gestrigen Abend. In der Altstadt fällt der viele Leerstand auf. Beim Weg zurück ins Hotel treffe ich eine 68jährige Bodenwerderin, die mir  von den Lebensbedingen in der Stadt erzählt.


.... Und so sieht es am Abend- nach einem angenehm anstrengendem Tag - in Bodenwerder aus:


Mittwoch, 27. Juli 2016

Von Hann.Münden nach Beverungen (1. Etappe)



Zunächst will ich das romanische Benediktinerkloster Bursfelde ansteuern, dann geht es zur Barockstadt Bad Karlshafen.
Leider scheine ich in Richtung des schlechten Wetters unterwegs zu sein. Während in Münden erst ab 15 Uhr Regen prognostiziert wird, soll es in Beverungen schon ab 11 gewittern. Mal sehen!


Ich starte kurzärmelig um 8:40, die Regenjacke im Gepäck. Gegen 10 Uhr bin ich im Kloster, wo ich eine Dreiviertelstunde Pause mache. Erstaunlich ist die Wärme in der Kirche und die außerordentliche meditative Stille, die zum spontanen Gebet einlädt. Vor der Kirche treffe ich die Vierer - Radler - Gruppe, die heute früh im selben Hotel gestartet ist. Sie wollen heute noch nach Höxter.
Mehrmals kreuzen sich meine Wege mit einem sportlichen Liegeradfahrer, der ehrgeizig jede Steigung nehmen will - wo ich lieber schnell absteige. Doch dann hole ich ihn wieder ein - er ist gestürzt und muss dazu noch die Kette seines Rades reparieren.

Das ehemalige Benediktiner Kloster Bursfelde - heute eine Station auf dem Pilgerweg Loccum - Volkenroda

Innenraum Bursfelde

Einladung zur Kurzmeditation

Das Wetter erweist sich überwiegend als ideal. Erst in Karlshafen ( gegen 12: 30 erreicht) erwischt mich endgültig ein Wolkenbruch. Doch diese 15 Minuten verbringe ich gut untergestellt mit einem netten Gespräch mit einem E- Bikefahrer aus Kassel. Er stellt mir sein GPS - Gerät vor und gibt Tipps zur richtigen Kleidung an Regenschauertagen. Bei seinen Touren benutzt er für Teilstrecken Busse. Bewundernswert seine Ruhe: Jetzt will er erstmal ein Cafe' aufsuchen.

Bad Karlshafen wurde ab 1699 von Landgraf Car zu Hessen errichtet.
Hier lebten zunächst viele Hugenotten, die aus Frankreich geflohen waren.

Aus der Säulenhalle des ehemaligen Rathauses (s.o.) fotografiert - so erlebe ich den Wolkenbruch gut geschützt
Den ursprünglichen Plan zur Bebauung von Bad Karlshafen kann man im ehemaligen Stapelhaus am Hafen einsehen. Heute überlegt man, wie der Hafen mit der Weser verbunden werden kann. Ursprünglich war ein Kanal nach Kassel geplant - um das Stapelrecht in Hann. Münden zu umgehen. Doch der Stadtgründer starb nach 17 Jahren und der Kanalbau und der angestrebte Stadtausbau wurde eingestellt.

Da mein Quartier 5 km vor Beverungen in Würgassen liegt, habe ich es  nicht mehr weit. Nach insgesamt 50 km treffe ich gegen 14:30 ein. Für den ersten Tag finde ich das eine passende Tour.

Meine Wirtin bewundert meinen Mut, ganz alleine unterwegs zu sein. Aber das ist ja gerade das Abenteuer!

Später gehe ich doch noch etwas an der Weser spazieren und mache noch ein Foto von der Gierseilfähre über die Weser. Muss ich morgen diesen Weg nehmen?

Blick Richtung Beverungen

Abendstimmung setzt langsam ein ...


Und noch ein paar Fotoeindrücke vom Tage ...

Immer wieder säumen Weizenfelder meinen Weg 
Blick zum anderen Ufer

Dienstag, 26. Juli 2016

Ein Tag in Hann. Münden

Bevor morgen meine Radtour startet, will ich heute eine Stadtführung durch Hann.Münden mitmachen.Doch ein Schreck beim Frühstück:  Mein Rad wurde noch nicht angeliefert. Ein Anruf ergibt, dass es wohl zum falschen Hotel geliefert wurde. Meine aufgeregte Vorfreude, meine Abenteuerlust steigen trotzdem - oder gerade deswegen.
Beim Frühstück sind mehrere andere Radurlauber. Ein ältestes Paar will zum ersten Mal mit einem Elektrorad starten. Schon toll, wer sich alles was zutraut.

Am Weserstein 
Am Rathaus - Weserrenaissance


Ich freue mich, mir richtig Zeit nehmen zu können, um in aller Ruhe die Stadtatmosphäre zu erleben. Vor dem Rathaus ist heute Markt.






Mit der Stadtführung habe ich Glück: Die Referentin ist kompetent und wählt eine gute Mischung aus allgemeinen Informationen und speziellen Stadtdaten. Am Ende kann ich das Alter der unterschiedlichen Fachwerkhäuser ziemlich sicher bestimmen, kenne die Merkmale der Weserrenaissnace und die Hauptaspekte der Stadtgeschichte und die Hochwasserprobleme

Wie das Hochwasser die Fuldabrücke erreichte ...
Einblicke in die Fachwerkbauweise

Am Abend besuche ich ein indisch - italienisches Restaurant in der Fußgängerzone. Ich finde eine ansprechenden Tisch draußen und  genieße die Scampi - Spaghetti mit Campari Soda. Dabei komme ich mit einem Ehepaar am Nebentisch ins Gespräch. Sie sind auch für Radfahrurlaub angereist - unternehmen aber Sterntouren ins Umland.

Ausblick von meinem Restauranttisch
Empfehlenswerte Küche!
Blick in eine Seitengasse

Angekommen in Hann. Münden

Bei etwa 30 Grad lande ich gegen 13:30 in Hann. Münden. Der Weg vom Bahnhof zu meinem Hotel führt mich an einem kleinen Park - ein Teil der alten Wallanlage - und herrschaftlichen Villen aus dem 19. Jahrhundert vorbei. Alles strahlt Ruhe und Frieden aus. Ein Mann lackiert einen Gußeisenzaun - und wünscht mir - wohl angesichts meines Koffers eine schöne Reise. Diese auffallende Freundlichkeit soll mir auch später noch oft in Münden begegnen.
Nach kurzem Weg erreiche ich die Altstadt, die für ihre 700 Fachwerkbauten bekannt ist. Mein Hotel soll das älteste erhaltene Haus ( Ständerbau um 1400) sein.

Radfahrer prägen das Bild Hann. Mündens


Am Nachmittag erkunde ich die Innenstadt und stelle schon mal fest, wo der Weser- Radweg beginnt. Besonders beeindruckt mich die unkomplizierte Möglichkeit mit Menschen schnell näher ins Gespräch zu kommen. So erfahre ich von einer Geschäftsinhaberin mehr über ihre Lebenseinstellung und die Gründe für ihren Umzug von München hierher.

Die Händlerin (rechts) ist erst vor einem Jahr aus München hergezogen.
"Niemand kann erwarten, dass das Leben noch so ist, wie vor 20 Jahren" - so ihr Motto.
Geschäfte haben es hier nicht leicht. Wie ich erfahre, komme zwar viele Bustouristen, die aber ihr Essen mitbringen würden und nach einem Rundgang die Stadt schnell wieder verlassen, ohne Geld dazu lassen. Es ist aber auch schwierig zu sagen, welche Geschäfte heutzutage noch in den kleinen Innenstadtläden gut laufen könnten. Diese vielen Trödel- und Krimskramsgeschäfte sind alle nicht besonders originell. Mir gefällt jedoch ein gut sortiertes Wäschegeschäft mit einer Auswahl, die auch größere Städte nicht so ohne weiteres aufzuweisen haben.

Hier probiere ich Nachthemden an - die Auswahl ist durchaus beeindruckend


 Eine alte Dame erzählt von der Arbeit ihres Sohnes als Flüchtlingslehrer und erläutert mir zusätzlich die Probleme der Stadt mit einem Immobilienspekulanten, der sieben Fachwerkhäuser besitzt, aber alle leerstehen und verfallen lässt.

Denkmalsaktivisten kämpfen gegen Immobilienspekulationen

Immer wieder frage ich mich bei meinen Reisen, ob es lohnt, sich mehr Zeit für Orte zu nehmen, auf die andere Reisende nur schnell einen Blick werfen. Aber auch hier zeigt es sich wieder - angesichts der erwähnte Gespräche - , dass man nur so einen echten Kontakt zu Städten und Menschen herstellen kann, wenn man mit Muße und ganz zweckfrei durch den Ort bummelt. Dazu die Augen aufmachen: Was ist hier das Besondere?
Die Antwort findet sich nicht (nur) in den historischen Bauten, sondern in der ganz besonderen Ausstrahlung eines Städtchens. Hier in Hann. Münden fällt der Anteil der Einwanderer auf: ich sehe zwei türkische und einen orientalischen Friseur. Die Moschee ist direkt an der Werrabrücke und neben mir - im indisch - italienischen Restaurant sitzt am Abend eine dreiköpfige Familie, bei der die Frau ein Kopftuch trägt. Ich beobachte mehrfach, Begegnungen und Gespräche von Einwanderern und Alt - Einheimischen. Dieser Eindruck wird mir auch am letzten Abend bestätigt, als eine Frau in mittleren Jahren von sich aus auf das gute Zusammenleben zusprechen kommt.

Ein türkischer Friseur in zentraler Lage
Alltagsbegegnungen - bei denselben Händlern - in denselben Restaurants

Nach dem Abendessen spaziere ich noch einmal zur Werrabrücke (13. Jahrh.) und werfe einen Blick auf das Welfenschloß.

Das Welfenschloss aus dem 16. Jahrhundert - hier wurde 70 Jahre lang residiert.
Der Reichtum der Stadt kam aber vom Handel.

Die Werrabrücke aus dem 13. Jahrhundert - heute nicht mehr überdacht.
In zwei Tagen werde ich hier nach Beverungen starten.